Sprachreise, Cordoba/Buenos Aires, Argentinien
von Barbara Kreutz (Deutschland)
Von April bis Mitte Juni 2007 war ich in Argentinien, um
dort einen Sprachkurs zu besuchen und natürlich auch,
um dieses riesengroße und so viel Unterschiedliches
bietende Land kennen zu lernen. Es sollte zuerst für
einen Monat nach Córdoba gehen und danach für
ca. 6 Wochen in die „Capital Federal“ Buenos Aires.
Bereits in Deutschland hatte ich über Pivian-Exchange
alles gebucht: die Sprachschulen in Córdoba und Buenos
Aires und meine Unterkunft bei Gastfamilien, wo ich auch
verköstigt wurde - je nach Wunsch nur mit Frühstück
oder auch in Halb- oder Vollpension. Ich brauchte also nur
noch loszufliegen.
Meine Spanischkenntnisse beliefen sich vor Beginn meiner
Reise auf mehr oder weniger Null, was mir zuerst einige Bedenken
bereitete, doch diese wurden bereits am Flughafen von Buenos
Aires, wo ich zwischenlandete, zerstreut.
Viele Argentinier sprechen Englisch, vor allem in den großen
Städten. Und besonders an den touristischen „Knotenpunkten“ wird
der Reisende immer von sehr freundlichen und Englisch sprechenden
Personen erwartet. Nur in Gegenden mit wenig touristischem
Verkehr könnte es schwieriger werden.
Über Pivian Exchange hatte ich auch meine Abholung
vom Flughafen in Córdoba gebucht. Nach einem nicht
mehr enden wollenden Flug von München über Rom
und Buenos Aires nach Córdoba kam ich nach ca. 40
Stunden endlich am Zielort an und wurde dort von Elda, meiner
Gastmutter, vom Flughafen abgeholt. In meiner Unterkunft
habe ich mich sehr wohl gefühlt. Ich hatte ein Einzelzimmer,
die Wohnung lag im Stadtzentrum und ich hatte bis zu meiner
Sprachschule nur 10-15 Minuten Fußweg. Da ich einen
eigenen Wohnungsschlüssel hatte, konnte ich kommen und
gehen, wie es mir gefiel. Abends saßen wir nach dem
Essen noch oft zusammen in der Küche, denn es gab immer
viel zu diskutieren, wobei Elda große Geduld mit meinem
holprigen Spanisch bewies.
Die Sprachenschule in Córdoba liegt direkt im Stadtzentrum,
nur wenige Gehminuten von der Plaza San Martin und der Fußgängerzone
entfernt. Ich habe mich in der Schule bestens aufgehoben
gefühlt. Nachdem ich am ersten Tag von allen Mitarbeitern
persönlich und mit dem in Argentinien üblichen
Wangenkuss begrüßt wurde, fand ein Einstufungstest
statt und nach einer kurzen Pause begann der erste Spanischunterricht.
An dieser Stelle möchte ich gern ein Kompliment an alle
Mitarbeiter und die Leitung der Schule aussprechen, die mit
großem Enthusiasmus und Herzlichkeit diese Einrichtung
führen. Für größere und kleinere Probleme
gab es jederzeit ein offenes Ohr, sei es, Medizin für
eine erkältete Mitschülerin zu besorgen, auf unsere
Unterrichtswünsche einzugehen („Argentinische Musik“, „Schimpfwörter“)
oder nach dem Unterricht ein paar private Worte zu wechseln.
Auch für meine Exkursionen, die ich am Wochenende auf
eigene Faust unternahm, konnte ich immer mit Insider-Tipps
rechnen oder bitten, einen Anruf für mich zu erledigen.
Der Unterricht fand in kleinen Gruppen statt, mit 2-3 Teilnehmern,
so dass wir viel gelernt haben und die Lehrer auf unsere
individuellen Bedürfnisse eingehen konnten. Alle Lehrer,
die ich kennen gelernt habe, waren sehr sympathisch und boten
einen gut durchdachten und animierenden Unterricht.
Die Wochenenden nutzte ich, um kleinere oder größere
Reisen zu unternehmen. Argentinien ist ein sehr großes
Land und zu Beginn überraschten
mich die Dimensionen ebenso wie die Lockerheit der Argentinier,
eben mal schnell 800 km zurückzulegen.
Mit dem gut ausgebauten Busfernverkehr ist das jedoch auch
kein Problem. Die bequemen Busse mit Liegesitzen fahren zu
erschwinglichen Preisen jede noch so entfernte Stadt wie
auch Ziele in Chile, Uruguay etc. an. Wer, so wie ich, nur
ein verlängertes Wochenende zur Verfügung hat,
um z.B. in den Norden Argentiniens zu fahren, kann nachts
einen Bus besteigen, wird dort meist noch mit einem Abendessen,
einem Videofilm und einer Decke zum Schlafen versorgt und
kommt am nächsten Morgen problemlos am Zielort an. In
nahezu jeder Stadt und jedem Städtchen gibt es am Busbahnhof
auch eine Touristeninformation mit kostenlosen Stadtplänen,
Adressen von Jugendherbergen u.a.
Mein schönstes Erlebnis war eine Exkursion in das Städtchen
Chilecito in der Provinz La Rioja. Die Jugendherberge „El
Paimán“ (www.fincadelpaiman.com.ar) in Chilecito bietet
organisierte Tagestrips zum Talampaya, dem rötlichen
Canyon, und in das sogenannte „Mondtal“ (Valle de la Luna)
an. Beide wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt
und sind heute Naturparks, die nur mit einem fachkundigen
Führer besucht werden können. Unser Führer
Mario holte meine Klassenkameradin und mich bereits morgens
um 6.00 Uhr am Busbahnhof ab, als wir noch ganz verschlafen
aus dem Bus stiegen. Als erstes ging es kurz in die Jugendherberge,
wo bereits ein Frühstück auf uns wartete. Dann
fuhren wir, zusammen mit zwei weiteren Exkursionsteilnehmern,
im Jeep los zu den Naturparks. Mit unserem Führer Mario,
der wirklich alles zu wissen schien und auf jede Frage zu
Pflanzen, Tieren oder argentinischen Bräuchen antworten
konnte, brachte uns zu den jeweils wichtigsten Sehenswürdigkeiten.
Das Mittagessen haben wir alle zusammen eingenommen. Nach
ca. 12 erlebnisreichen Stunden wurden wir wieder in die Jugendherberge
gebracht und den folgenden Tag verbrachten wir mit relaxen.
Ein weiteres Reiseziel, das von Córdoba noch relativ
gut zu erreichen ist, ist Salta. Auch in der Stadt Salta
werden in verschiedenen Büros 1-2-Tagesexkursionen zu
allen möglichen Zielen angeboten.
Nach vier Wochen in Córdoba ging es für mich
weiter nach Buenos Aires. Hier wohnte ich wieder in einer
Gastfamilie und besuchte vormittags vier Stunden einen Sprachkurs.
Im Gegensatz zu Córdoba ist Buenos Aires eine Riesenstadt
mit allen Vor- und Nachteilen, die eine Metropole zu bieten
hat. Das Angebot an Nightlife ist unerschöpflich. Von
Kino und Theater über Konzerte bis zu Kneipen, Diskos,
Restaurants (teilweise 24 Stunden geöffnet) und Tangoshows
gibt es für jeden etwas. Doch Achtung: Die Porteños
sind ausgeprägte Nachtschwärmer und wer, wie wir,
bereits um 1.00 Uhr nachts erwartungsfreudig in der Disko
eintrifft, steht erstmal noch ein bis zwei Stunden im leeren
Lokal, bis langsam auch andere Leute dazukommen. Die Trasnoche-Vorstellungen
der Kinos beginnen zwischen 0.30 und 2.00Uhr nachts.
Für das Tagesprogramm gibt es unter anderem eine Vielzahl
an Museen zu besuchen, wobei die staatlichen Museen alle
kostenlos sind. Neben den üblichen Attraktionen wie
La Boca, San Telmo, dem Friedhof von Recoleta hat es mir
die Metro der Linie A besonders angetan. Hier fährt
man noch in den originalen, mit Holz ausgestatteten alten
Wägen etwas schaukelnd durch den Untergrund von Buenos
Aires. Und auch die Metrostation „Peru“ präsentiert
sich noch in ihrem alten Flair. Bus- und Metrotickets kosten
ca. 20 Cents.
So faszinierend Buenos Aires ist, so ermüdend kann
es manchmal auch sein. Zu Stoßzeiten ist es ein Abenteuer,
die Metro zu benutzen. Es gibt an jeder Ecke etwas Anregendes,
Neues, aber es kann schwierig sein, einen ruhigen Ort zum
Abschalten zu finden. Darum habe ich eine Wochenendexkursion
nach Colonia del Sacramento in Uruguay besonders genossen.
Das Städtchen Colonia liegt auf der anderen Seite des
Rio de la Plata, ist mit dem Schiff in 1-3 Stunden zu erreichen
und das absolute Kontrastprogramm zu Buenos Aires. In der
Altstadt gibt es kaum Autoverkehr, dafür aber alte potugiesische
Kolonialbauten, kleine Gässchen und Plätze mit
Cafés und immer wieder Strände zum Rio. Die Uruguayos
sind leidenschaftliche Matetrinker. Man sagt ihnen nach,
dass die typische Armhaltung, um den Matebecher zu umklammern,
bei ihnen bereits genetisch vorhanden sei. Und dies kann
ich bestätigen: Viele Leute gehen auf den Straßen
mit einer unter den Arm geklemmten Thermoskanne und dem typischen
Matebecher spazieren. Als Unterkunft in Colonia kann ich
die Jugendherberge „La Española“ sehr empfehlen.
Insgesamt war meine Reise eine wunderbare Erfahrung und
ich stehe immer noch in Kontakt mit einigen Argentiniern,
die ich während meines Aufenthaltes kennen lernte.
Einige nützliche Hinweise zum Schluss:
Argentinische Pesos konnte ich in Deutschland nicht kaufen,
doch hatte ich mit meinen Travellerschecks, die man gleich
am Flughafen tauschen kann, keine Probleme. Darüber
hinaus kann man mit einer EC-/Maestro-Karte einfach Geld
am Bankautomaten abheben oder Dollar/Euros bar tauschen.
In den größeren Städten gibt es überall
Wäschereien, in denen man seine Kleidung innerhalb von
24 Stunden kostengünstig waschen lassen kann.
Als Vegetarier muss man vielleicht ab und zu einige Abstriche
machen. Die Argentinier sind leidenschaftliche Fleischesser
und ich wurde des öfteren mitleidig gefragt, ob ich
denn krank sei.
Und schließlich: Im Mai war es in Buenos Aires bereits
zeitweise recht kalt. Ich kann empfehlen, für diese
Jahreszeit entsprechende Kleidung mitzunehmen.
Vielen Dank an Pivian für die Unterstützung und die hilfreichen
Tips!
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