Papagayo Camale�n  
Pivian exchange Viña del Mar Spanisch Sprachreise, Spanischkurs und Spanischschule
    Spanischkurse     Portugiesischkurse     Quechuakurse     Praktika     Freiwilligenarbeit     Reiseservice     Community     Über Uns Dienstag, der 16. Oktober 2018  
Lateinamerika Nachrichten
Südamerika Nachrichten
Mittelamerika Nachrichten
Karibik Nachrichten
Seite merken
Garantien für deine Reise

Warten auf Entschädigung

Peru | 05.09.2006

(Lima, 6. September 2006, na-poonal).- Zwanzig Jahre sind vergangen, seitdem Soldaten in das Haus von Teófilo Rímac Capcha in der Stadt Cerro de Pasco in den Zentralanden eindrangen und ihn zu einer nahe gelegenen Militärbasis verschleppten. Der damals 39jährige Lehrer wurde gefoltert und ermordet. Seine sterblichen Überreste sind bis heute nicht gefunden worden. Seine Witwe Doris Caqui hat bei der Präsidentschaftswahl im vergangenen Juni gegen Alan Garcia agiert. Garcia hatte das Amt des Präsidenten inne, als Rimac Capchas und Hunderte weitere Personen von staatlichen Sicherheitskräften ermordet wurden, weil man sie verdächtigte, Terroristen zu sein. Trotzdem hat Alan Garcia die zweite Wahlrunde am 4. Juni für sich entschieden.

Während der ersten Amtszeit Garcías zwischen 1985 und 1990 erreichte die gewaltätige Bekämpfung der als staatsfeindlich klassifizierten Gruppierung Leuchtender Pfand (“Sendero Luminoso”) ihren Höhepunkt. Auch die Massaker von Accomarca und Cayara, zwei Ortschaften in den Anden, wurden in dieser Zeit verübt. Eine Vielzahl von Bauern und Bäuerinnen wurden durch peruanische Soldaten hingerichtet. Drei Jahre sind mittlerweile vergangen, seit am 28 August 2003 der Abschlussbericht der Kommision für Wahrheit und Aussöhnung CVR (Comisión de la Verdad y Reconciliación) vorgestellt wurde. Das Dokument belegt, dass García politisch für die während seiner Amtszeit begangenen Massaker verantwortlich ist, auch wenn er strafrechtlich nicht belangt werden kann.

Der Fall von Rímac Capcha ist einer von 169 Fällen, die in einer Sammelklage von der Vereinigung Pro Menschenrecht APRODEH (Asociación Pro Derechos Humanos) bei der Interamerikanischen Menschenrechtskommission eingereicht wurde. „Wir sind überzeugt davon, dass die Bereitschaft zur Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen nicht vorhanden ist”, sagte Caqui in ihrer Funktion als Vorsitzende der Vereinigung Familienangehöriger von Folteropfern, Verschwundenen und willkürlich Hingerichteter. „Es kann nicht sein, dass es bei einem einzigen Fall in Cerro de Pasco, dem Tod meines Mannes, der Staatsanwaltschaft noch immer nicht gelungen, ist eine Anklage zu formulieren”.

Nach Untersuchungsergebnissen der Wahrheitskommission wurden in den zwei Jahrzenten des Bürgerkriegs (1980 bis 2000) mehr als 69.000 Menschen ermordet. Das sind mehr als doppelt so viele wie während der Diktaturen in Argentinien und Chile. Doch die Straflosigkeit ist weiterhin das grösste Hindernis bei der Umsetzung der Empfehlungen der Wahrheitskommission in Peru.

“Die Wunde ist offen” lautet daher das Motto der Bewegung Nie Wieder (“Para que no se repita”), in der sich die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) sowie verschiedene religiöse und soziale Verbände zusammengeschlossen haben. „Zahlreiche Zeugen, Anwälte, Gerichtsmediziner und Menschenrechtler wurden zwischen Juli 2005 und 2006 bedrängt und bedroht. Bis heute ist keiner der Fälle effektiv untersucht worden und die Opfer blieben ohne Schutz”, schreibt ai. Die Organisation weisst darauf hin, dass die fehlende Handlungsbereitschaft der Regierung in den Fällen von Rímac Capcha und vieler anderer dazu beitrage „ein Klima zu schaffen, dass neue Missbräuche möglich macht”.

Eine weitaus größere Herausforderung als das Erlangen von Gerechtigkeit für die verübten Gräuel während des Bürgerkrieges wird jedoch die versprochene Enschädigung darstellen. Das im Jahr 2005 angenommene Entschädigungsprogramm PIR (Plan Integral de Reparaciones) sieht vor, die verlorenen Rechte, Mittel und Möglichkeiten sowie die Lebensqualität der Betroffenen infolge der gewaltätigen Auseinandersetzungen wiederherzustellen. Doch trotz der Zusicherung von 15 Millonen Soles (ca. 4,7 Millionen US-Dollar) durch den Premierminister Jorge del Castillo der Regierung Garcías hat die Regierung am 1. September erklärt, dass keine Mittel für diese Vorhaben bereit stünden.

Lisa Laplante vom Institut für die Umsetzung Sozialer Gerechtigkeit sagte, die Wahrheitskommissionen seien ein erster wichtiger Schritt zur nationalen Aussöhnung. „Aber sie sind nicht ausreichend. Jetzt müssen die Betroffenen nicht länger erst unter Beweis stellen, dass sie nicht lügen und können stattdessen erste Schritte für den Erhalt einer Entschädigungzahlung einleiten”. Die Entschädigungszahlungen „sind nicht länger eine moralische Option der Behörden, sondern ein anerkanntes Recht. Trotzdem deuten sich bei einer näheren Betrachtung des Prozesses zur Leistung von Entschädigungszahlungen bereits jetzt viele logistische Schwierigkeiten an. Vor allem ist eine fehlende politische Bereitschaft zur Bereitstellung der Gelder nicht zu übersehen”, so Laplante weiter.

« Indigene Bevölkerung wird verfolgt und ermordet Evo Morales verurteilt Komplott der USA gegen seine Regierung »

-->

Möchtest du eigene Beiträge schreiben? Weitere Informationen dazu findest du hier...

Südamerika Newsletter
Kundenmeinungen