Papagayo Camale�n  
Pivian exchange Asunciön Spanisch Sprachreise, Spanischkurs und Spanischschule
    Spanischkurse     Portugiesischkurse     Quechuakurse     Praktika     Freiwilligenarbeit     Reiseservice     Community     Über Uns Samstag, der 21. Juli 2018  
Lateinamerika Nachrichten
Südamerika Nachrichten
Mittelamerika Nachrichten
Karibik Nachrichten
Seite merken
Garantien für deine Reise

Neue Bewegung landloser Bauern verschafft sich Gehör

Brasilien | 12.07.2006

(São Paulo, 12. Juli 2006, na-poonal).- Durch die Verhaftung hunderter Demonstranten der Landlosenbewegung MLST (Movimento de Libertação dos Sem Terra) Anfang Juli, eine Abspaltung der Bewegung landloser Bauern MST (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra), hat die Auseinandersetzung um die Agrarreform in Brasilien einen neuen Höhepunkt erreicht. Am 6. Juni besetzten Hunderte von Aktivisten der MLST das Abgeordnetenhaus in der Hauptstadt Brasilia, um ihren Anliegen in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Die Regierung Luiz Inácio Lula da Silvas wurde aufgefordert, die Agrarreform zu beschleunigen sowie weitere Maßnahmen zur Stärkung des Agrarsektors zu ergreifen.

Durch das Eingreifen der Sicherheitskräfte des Nationalkongresses wurden mehrere Personen verletzt. Im Gebäude des Abgeordnetenhauses entstand Sachschaden. Der Präsident des Abgeordnetenhauses Aldo Rebelo, Vertreter der Kommunistischen Partei Brasiliens und Anhänger der Agrarreform, verurteilte das Verhalten der MLST während der Demonstration und veranlasste die Verhaftung der MLST-Mitglieder, die an der Besetzung teilgenommen hatten. Etwa 550 Personen wurden am folgenden Tag ins Gefängnis von Papuda im Bundesdistrikt gebracht. Ein Großteil wurde kurz darauf auf freien Fuß gesetzt, 42 Personen blieben jedoch in Haft: Neun Frauen wurden in einem Frauengefängnis festgehalten; unter den 33 männlichen Gefangenen in Papuda befand sich auch Bruno Maranhão, der als einer der Anführer der MLST gilt. Maranhão, der dem Bundesvorstand der Arbeiterpartei des Präsidenten Lula angehört hatte, wurde aufgrund der Besetzung des Abgeordnetenhauses seines Amtes enthoben. Am 20. Juni erhob die Bundespolizei im Zusammenhang mit der Besetzung Anklage gegen 115 Personen, unter ihnen auch Maranhão.

Die Reaktionen auf die Aktion der MLST ließen nicht lange auf sich warten. In einer am 8. Juni veröffentlichten Stellungnahme der brasilianischen Landpastorale CTP, die in enger Verbindung mit der Nationalen Bischofskonferenz steht, heißt es: „Die CTP stand und steht noch heute auf Seiten der Arbeiter und unterstützt deren Recht, für ihre Anliegen auf die Straße zu gehen. Wir bedauern, dass die Situation in dieser Weise eskaliert ist und sogar öffentliche Sicherheitskräfte zu Schaden kamen.“ Die Landpastorale unterstütze zwar nicht sämtliche von den Arbeitern gewählte Formen zum Ausdruck ihrer Forderungen, verstehe allerdings umso mehr die Entrüstung brasilianischer Landarbeiterinnen und -arbeiter sowie Bürgerinnen und Bürger angesichts eines Kongresses, auf den das Etikett „undemokratisch“ in letzter Zeit weitaus mehr zutreffe als auf die Einzelaktion einiger Arbeiter.

Die CTP bezog sich damit auf die Abstimmung anlässlich des Abschlussberichts der gemischten parlamentarischen Kommission zur Landfrage CPMI, die Empfehlungen der Kommission zurückgewiesen und statt dessen einem Maßnahmenkatalog den Vorzug gegeben hatte, der „neben weiteren Unsäglichkeiten den Vorschlag enthält, die Landbesetzungen als terroristische Verbrechen zu behandeln, und der die Verantwortung für die Gewalt auf dem Land den eigentlichen Opfern, nämlich den Arbeiterinnen und Arbeitern, in die Schuhe schiebt.“

Den Erhebungen der CPT zufolge wurden im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um die Landverteilung im Jahr 2005 38 Ermordungen registriert, das ist ein Toter weniger als im Vorjahr. Die Besetzung großer Landgüter ist auch weiterhin die wichtigste Kampfmethode der beiden Landlosenbewegungen MLST und MST. Letzterer haben sich mittlerweile 120.000 Familien angeschlossen, die in allen 23 Bundesstaaten in Ansiedlungen leben. Die 1997 von Dissidenten der MST gegründete MLST koordiniert Landbesetzungen und Ansiedlungen in zehn Bundesstaaten und zählt inzwischen etwa 50.000 Anhänger.

Beide Bewegungen kämpfen für eine Agrarreform; mit ihrer zentralisierten Struktur ähnelt die Organisation der MLST allerdings viel stärker der einer Partei. Die MST ist an Vía Campesina, einer internationalen Bewegung für Landreform, Ernährungssicherheit und –souveränität und eine der wichtigsten Organisationen des Weltsozialforums, angeschlossen, die MLST nicht.

Die Besetzung des Kongressgebäudes ist nicht die erste Aktion dieser Art, die von der MLST organisiert wurde. Im April 2005 hatten Anhänger der Bewegung das Finanzministerium in Brasilia besetzt, um die Freigabe von zwei Milliarden Reales (900 Millionen US-Dollar) zu fordern. Das für die Durchführung der Landreform bestimmte Geld war auf Anweisung des damaligen Finanzministers Antônio Palocci eingefroren worden.

Auslöser der Vorfälle, von der Besetzung der Regierungsgebäude durch MLST-Mitglieder bis zur Verhaftung der Demonstrantinnen und Demonstranten, ist die Unzufriedenheit verschiedener Teile der Gesellschaft mit der Entwicklung um die Landreform der Regierung Lula. Nach offiziellen Angaben wurden zwischen 2003 und 2004 244.000 Familien angesiedelt, DATA LUTA, eine Datenbank der Organisation „Kampf um Land“ (Lucha por la Tierra), fand jedoch heraus, dass nur 25 Prozent der Familien in Ländereien angesiedelt wurden, die aufgrund von Enteignungen durch die Regierung freigeworden waren. Der größte Teil wurde in bereits bestehenden Siedlungen untergebracht; aufgrund der inakzeptablen Lebens- und Arbeitsbedingungen auf dem weitgehend für die Beackerung ungeeigneten Land haben die Familien diese jedoch wieder verlassen.

« Tausende Bauern besetzen und fordern Land Indigene Organisationen schließen sich zusammen »

-->

Möchtest du eigene Beiträge schreiben? Weitere Informationen dazu findest du hier...

Südamerika Newsletter
Kundenmeinungen