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Brasilien führt Statistik über gewaltsame Tode an

Brasilien | 20.11.2006

(Rio de Janeiro, 20. November 2006, npl).- Wer jung, arm, schwarzer Hautfarbe und männlich ist läuft in Brasilien mehr als anderswo Gefahr, eines gewaltsamen Todes zu sterben. In keinem anderen Land der Welt werden mehr Menschen zwischen 15 und 24 Jahren durch Schusswaffen getötet – durchschnittlich 43,1 von 100.000 Einwohnern. Werden alle Arten gewaltsamer Tode zusammengerechnet, kommt Brasilien auf 51,7 Todesopfer und belegt hinter Kolumbien und Venezuela Platz drei einer traurigen Rangliste.

Die jetzt veröffentlichen Zahlen stammen von der Weltgesundheitsorganisation WHO und sind mit Vorsicht zu genießen, da sie verschiedene Jahrgänge von 2000 bis 2004 miteinander vergleichen und oft auf fragwürdige staatliche Statistiken zurückgreifen. Der einzig erfreuliche Aspekt für Brasilien ist, dass nach zehn Jahren steter Steigerung in 2004 erstmals ein leichter Rückgang der Gewaltquote zu verzeichnen ist.

Die Gewalt trifft jedoch nicht alle gleichermaßen. Zahlen der brasilianischen Stiftung Datenanalyse (Seade) zeigen, dass im Vergleich zu Weißen, schwarze Jugendliche doppelt so häufig Opfer von Gewalttaten werden. „Tod durch Fremdeinwirkung kommt vor allem in den Armenvierteln der Großstädte vor, wo die meisten Bewohner schwarzer Hautfarbe sind,“ kommentiert Seade-Mitarbeiterin Rute Godinho die Zahlen.

Innerhalb Brasiliens hat Rio de Janeiro die meisten Morde mit Schusswaffen zu verzeichnen, 91,3 auf 100.000 Einwohner im Jahr 2004. Gern werden solche Zahlen dazu benutzt, Städte oder Länder als gewalttätig zu brandmarken und nach mehr Polizei oder härteren Strafen zu rufen. Ein genauerer Blick auf Statistiken entlarvt solche law and order-Politik schnell als Versuch, von sozialen und hausgemachten Ursachen der Gewalt abzulenken.

Gerade die Polizei ist in brasilianischen Städten weniger die Lösung als vielmehr Teil des Problems. Laut neuesten Zahlen des Instituts für Öffentliche Sicherheit (ISP) töteten die verschiedenen Polizeieinheiten in Rio de Janeiro allein im ersten Halbjahr 2006 520 Menschen, fast doppelt soviel wie ihre Kollegen in São Paulo, wo die Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und dem organisierten Verbrechen im Rahmen der Gefängnisaufstände im Mai weltweit Schlagzeilen machten.

Fast all diese Todesfälle ereigneten sich aufgrund von angeblichem Widerstand der Opfer während der Polizeiaktionen. Offizielle oder gar juristische Untersuchungen finden kaum statt, obwohl zwei Drittel der Opfer mit Schüssen ins Genick oder in den Rücken getötet wurden.

Dass ist Rio de Janeiro im Tagesdurchschnitt über drei Menschen von der Polizei erschossen werden, bezeichnet der Soziologe und frühere Sekretär für Öffentliche Sicherheit, Luis Eduardo Soares, als „Genozid“. Er ist wie viele Menschenrechtsorganisationen der Auffassung, dass sich hinter den Statistiken immer wieder gezielte Massaker - zumeist Racheaktionen der Polizei gegen Bewohner armer Stadtviertel - verbergen . Zweifelsohne besteht der größte Teil der Opfer aus „Armen, Schwarzen und Bewohners der Favelas,“ definiert Soares die Bevölkerungsgruppe, gegen die sich der Genozid richte.

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