Papagayo Camale�n  
Pivian exchange Iquique Spanisch Sprachreise, Spanischkurs und Spanischschule
    Spanischkurse     Portugiesischkurse     Quechuakurse     Praktika     Freiwilligenarbeit     Reiseservice     Community     Über Uns Samstag, der 20. Januar 2018  
Lateinamerika Nachrichten
Südamerika Nachrichten
Mittelamerika Nachrichten
Karibik Nachrichten
Seite merken
Garantien für deine Reise

Zwischen Autonomie und Zentralismus

Bolivien | 24.01.2007

(La Paz, 24. Januar 2007, na-poonal).- Die Autonomieforderungen einiger Departements des Landes ist eins der umstrittensten Themen der bolivianischen Innenpolitik. Der Versuch des Gouverneurs von Cochabamba, Manfred Reyes Villa, ein Referendum bezglich der Autonomie-Idee in seinem Departement einzuberufen, stie auf heftige Proteste. Seit dem 7. Januar wird nun sein Rcktritt gefordert. Am 11. Januar wurden bei Zusammensten zwischen Anhngern des Gouverneurs und regierungstreuen Bauern, die den Prsident Evo Morales untersttzen, mindestens 70 Personen verletzt.

Das Thema Autonomie bestimmt bereits seit 2005 die politische Agenda des Landes. Damals zwangen massive Proteste in Santa Cruz - dem reichsten Departement des Landes - die Regierung des damaligen Prsidenten Carlos Mesa (2003-2005), eine Volksabstimmung bezglich dieser Frage einzuberufen. Das Referendum fand am 2. Juli 2006, zeitgleich mit der Wahl der 255 Mitglieder der Verfassungsgebenden Versammlung statt. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass das Land in zwei Lager gespalten ist. In den fnf westlichen, den rmsten Provinzen - Chuquisaca, Cochabamba, La Paz, Oruro und Potos - wurde gegen die Autonomie gestimmt, whrend die vier stlichen Provinzen, Beni, Pando, Santa Cruz und Tarija, ihre Unabhngigkeit befrworten wrden. Die Entscheidung fr oder gegen die Unabhngigkeit der Provinzen wird jedoch letztendlich von der Verfassungsgebenden Versammlung getroffen. Ebenso entscheidet diese ber die Form der Autonomie, falls sich die Idee durchsetzt. Die Arbeit der Verfassungsgebenden Versammlung, die vor fast sechs Monaten, am 6. August aufgenommen wurde, stagniert jedoch.

Aufs ganze Land gesehen berwiegen die Nein-Stimmen. Daher geht die Regierungspartei MAS davon aus, dass die Verfassungsgebende Versammlung der Unabhngigkeit nicht zustimmen muss, auch nicht in den Departements, die mit ja gestimmt hatten. Die Befrworter des Autonomiemodells gehen jedoch davon aus, dass die Ergebnisse der Volksbefragung bindend sind und dass folglich die Verfassungsgebende Versammlung der Autonomie der vier Provinzen zustimmen muss.

Nach Meinung des MAS-Abgeordneten Gustavo Torrico fhrt die Unabhngigkeit, so wie die Befrworter ihr Konzept in der ffentlichkeit dargestellt haben, zu einer Spaltung des Landes. Wir haben im Referendum wegen der Art, wie die Autonomie dargestellt wurde, nmlich als Halb-Autonomie, mit nein gestimmt. Das Land wrde daran zerbrechen. Die Mitte- und Rechtsparteien hingegen sprachen sich fr das Autonomie-Modell aus. Tito Hoz de Vila, Abgeordneter der rechten Poder Democrtico y Social (PODEMOS), hlt den Zentralismus fr schdlich fr die Departements. Der Zentralismus hat regionale Initiativen zum Erliegen gebracht und Ungleichgewichte in der regionalen Entwicklung provoziert. Daher wollten nun einige Provinzen zunchst die Dezentralisierung und dann die Autonomie, erklrte er.

Die Politikwissenschaftlerin Moira Zuazo spricht von zwei Hauptforderungen, die gegenwrtig die politische Landschaft in Bolivien bestimmen: die Forderung der Einrichtung unabhngiger Departements einerseits, der Ruf nach einer gleichberechtigteren Gesellschaft andererseits. Ersteres fordern vor allem die stlichen Provinzen, whrend MAS und die sozialen Bewegungen, die die Regierung untersttzen, hinter der zweiten Forderung stehen. Diese gehen davon aus, dass der Wirtschaftssektor von Santa Cruz die Unabhngigkeit als Schutzschild gegen die politischen und sozialen Vernderungen nutzen mchte, die die Regierung Morales in Gang bringen will. Zuazo untersttzt die Einschtzung, dass vor allem die Oberschicht von Santa Cruz hinter dieser Forderung steht. Sie weist aber auch darauf hin, dass der Autonomiegedanke auch in der breiten Bevlkerung von Santa Cruz und im Osten des Landes auf viel Zustimmung stt.

Die auf dem flachen Land lebenden Menschen im Osten fhlen sich mit der Landespolitik, die im 3600m ber dem Meeresspiegel gelegenen La Paz gemacht wird, nicht sehr verbunden. Auch teilen sie die indianischen Wurzeln der Bewohner im Westen, die an der Landespolitik regen Anteil haben, nicht. Aus der Sicht der Menschen im Osten ist die Ablehnung der Autonomie ein Versuch der Zentralregierung, die Fden in der Hand zu behalten.

Die Frage ist, wie der Autonomiegedanke in die Praxis umgesetzt werden knnte. Nach Ansicht Zuazos haben nur Santa Cruz, La Paz und mglicherweise Cochabamba die wirtschaftlichen Mglichkeiten, Provinzsteuern zu erheben und die ntigen Mittel zusammenzubekommen, um eine eigenes, regierungsunabhngiges Gesundheits- und Bildungswesen aufzubauen. Von diesen drei Provinzen stimmte nur Santa Cruz fr die Autonomie.

Die Regierung frchtet, die Kontrolle ber die Erdgasreserven zu verlieren. Die wichtigsten Vorkommen befinden sich in Tarija, das ebenfalls fr die Unabhngigkeit gestimmt hatte. Auch den Verlust der Kontrolle ber das Departement Santa Cruz, den wirtschaftlichen Motor des Landes, knnte sich die Regierung nicht wirklich leisten.

« Demonstranten strmen Kongressgebude Regierung legt Neugrndungsprogramm fr YPFB vor »

-->

Möchtest du eigene Beiträge schreiben? Weitere Informationen dazu findest du hier...

Südamerika Newsletter
Kundenmeinungen