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Indigenas wehren sich gegen den Goldrausch der Minenkonzerne

Guatemala | 17.08.2006

(San Jos, 17. August 2006, voces nuestras).- Mit einer Niederlage fr die internationalen Minenkonzerne endete die Abstimmung in fnf Regierungsbezirken im hohen Norden Guatemalas. Am Donnerstag (17.8.) prsentierten die Brgermeister dieser Bezirke das Resultat in der Hauptstadt Guatemala. Wir fordern die nationale Regierung auf, den Brgerwillen zu akzeptieren und bereits erteilte Bergbaulizenzen auf unserem Grund und Boden zurckzuziehen, sagt Carlos Guarquez, Vorsitzender des AGAAI, dem Stdte- und Gemeindetag von Guatemala. Die Abstimmung vom 25. und 27. Juli sei verfassungskonform und gltig. Fast 30.000 Wahlberechtigte hatten sich beteiligt und 99,83 Prozent stimmten gegen die Vergabe von Frderlizenzen an Bergbaufirmen.

Konzerne wie die kanadische GlamisGold drngen nach Mittelamerika, weil die weltweite Nachfrage nach Silber und Gold gro ist wie selten zuvor. Aber hier stoen sie auf Widerstand. Bergbau impliziert keine Entwicklungschance fr diese Lnder. Man sieht das in Peru, dort sind die Regionen, in denen es Minen gibt, die rmsten des Landes, sagt Alois Mller, Vertreter des Lutherischen Weltbundes in Mittelamerika. Der Volkswirt vergleicht den Bergbau mit Naturkatastrophen wie Hurrikanen oder Erdbeben. Nur zwlf Prozent der weltweiten Goldproduktion werden industriell genutzt, also unter anderem fr Medikamente oder Computerchips; fast 80 Prozent werden fr Schmuckherstellung benutzt, den Rest verbrauchen Investoren wie Banken oder Spekulanten. Die Folgen fr Mensch und Natur indes sind schwer. Im Zyanidlaugeverfahren werden im Tagebau Zyankali, Quecksilber und Blei eingesetzt; die Kritiker befrchten, dass diese giftigen Chemikalien ins Trinkwasser gelangen.

Der logistische Aufwand fr die Abstimmung war enorm, alle wahlberechtigten Frauen und Mnner in den Verwaltungsbezirken Colotenango, Todos Santos, Concepcin Huista, San Juan Atitan und Santiago Chimaltenango waren am 25. und 27. Juli aufgefordert, darber abzustimmen, ob sie mit der Lizenzvergabe an Minenkonzerne fr diese Orte einverstanden sind. Die Abstimmung steht in Einklang mit der Kommunalverfassung. Wir berufen uns aber auch explizit auf die ILO-Konvention 169 fr die Rechte indigener Vlker, erklrt Carlos Guarquez, der Vorsitzender von AGAAI, dem Stdte- und Gemeindetag von Guatemala. In Guatemala sind fast 84 Prozent aller Bewohner Indigenas.

Vor gut einem Jahr fand ein erstes Referendum dieser Art im benachbarten Bezirk Sipacapa statt. Eindeutig sprach sich die Mehrheit gegen die Prsenz der Mine aus, aber seither halten Minengesellschaft und Regierung das Verfahren in der Schwebe. Der Unterschied zu Sipacapa ist, dass dieses Mal die Brgermeister der betroffenen Gemeinden die Initiative fr das Referendum ergriffen haben und voll und ganz dahinter stehen, sagt er.

Und das Ergebnis ist berwltigend: In jedem der 92 Gemeindezentren -- von der grten Ortschaft bis zum abgelegensten Flecken weit in der atemberaubenden Naturschnheit der Berge -- stehen Mnner und Frauen in ihrer bunten traditionellen Tracht Stunde um Stunde Schlange, um sich fr die Abstimmung registrieren zu lassen. Auf Spanisch und in der lokalen Sprache Mam erklren die Organisatoren das genaue Vorgehen. Die Mnner haben von der harten Feldarbeit zerfurchte Hnde, die Frauen tragen zur Arbeit stets eines ihrer Kinder auf den Rcken gebunden. Arme Menschen, stolze Menschen. Und alle wissen sie ganz genau, was sie wollen: Wir sind die Nachfahren der Maya, und wie sie knnen wir die Stimme der Hgel hren. Mutter Erde gibt uns unser tgliches Brot, wir sind eng mit ihr verbunden. Die Leute von der Minengesellschaft kommen wie Eroberer in unser Land, schon wieder, sagt ein alter Mann.

Ein groer Erfolg ist das auch fr die Umweltaktivisten an anderen Orten in Guatemala und in ganz Mittelamerika. Zum Beispiel CONIC, die nationale Koordinierungsorganisation der Indgenas und Campesinos, spielt eine zentrale Rolle in der Protestbewegung. Hierzulande ist die Bewegung gegen die Minen besonders stark; und die Regierung reagiert darauf mit Repression. Im Jahr 2005 wurde ein Demonstrant gettet und zahlreiche wurden verletzt, als es in San Marcos bei einer Straenblockade zu gewaltttigen Ausschreitungen gekommen war. Sicherheitskrfte erffneten das Feuer, als Demonstranten die Strae blockiert hatten.

Umweltschtzer werden kriminalisiert und beschimpft als Fortschrittsgegner oder sogar Drogenhndler. Oscar Conde spricht mit ruhiger Stimme. Der Lehrer und Musiker ist Sprecher der Nichtregierungsorganisation Madre Selva in Guatemala Stadt. Ein sanftes Lcheln umspielt seine Lippen, umgeben von einem ordentlich getrimmten, leicht krausen weien Bart. Oscar Conde ist nicht nur bekannter Umweltschtzer, seit den Achtziger Jahren ist er als Fltenspieler der Gruppe Alux Nahual ein Star in ganz Mittelamerika.

Auch wenn der Staat die Gesetze fr die Betreiber von Goldminen gerade etwas verschrft hat, lehnt Conde Edelmetallminen generell ab: Die Umweltgesetze in unserem Land sind schwach. Aber noch schwcher sind die Institutionen, welche die Einhaltung der Gesetze kontrollieren. Wie fast berall in Lateinamerika leidet das politische System in Guatemala unter schwerer Korruption. Diese beginnt bei den Umstnden, unter denen Konzessionen erteilt werden. Jeder Konzern ist verpflichtet, eine unabhngige Studie vorzulegen, welche die Auswirkung seiner Ttigkeit auf die Umwelt darlegt. Konzessionen werden trotzdem vergeben, obwohl mir keine einzige ehrliche Umweltstudie bekannt ist.

Zu den entschiedenen Untersttzern der Minengegner gehrt auch der katholische Bischof von San Marcos, Alvaro Ramazzini, der seinen internationalen Einfluss nutzt, um gegen diese Ausbeutung von Mensch und Natur seine Stimme zu erheben. Damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht: Nach zahlreichen Morddrohungen stellte ihn die Regierung unter Militrschutz. Wo immer der Wrdentrger hingeht, wird er von sechs grimmigen Uniformierten mit Maschinenpistolen begleitet. Gemeinsam mit Madre Selva hat die Kirchengemeinde in Sipakapa einen alternativen Entwicklungsplan fr die Region San Marcos ausgearbeitet, der unter anderem auf biologischen Landbau setzt. Ein ausgeklgelter Plan, der zeigt, dass es Alternativen gibt.

Im September sollen diese Alternativen mit Vertretern aus ganz Mittelamerika bei der Grndung eines Netzwerkes von Anti-Minen-Aktivisten aus Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica diskutiert werden.

Weitere Informationen: http://www.lutheranworld.org und http://www.madreselva.com.gt/

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