Papagayo Camale�n  
Pivian exchange Florianópolis Portugiesisch Sprachreise, Portugiesischkurs und Portugiesischschule
    Spanischkurse     Portugiesischkurse     Quechuakurse     Praktika     Freiwilligenarbeit     Reiseservice     Community     Über Uns Montag, der 18. März 2019  
Lateinamerika Nachrichten
Südamerika Nachrichten
Mittelamerika Nachrichten
Karibik Nachrichten
Seite merken
Garantien für deine Reise

Indigenas wehren sich gegen den Goldrausch der Minenkonzerne

Guatemala | 17.08.2006

(San José, 17. August 2006, voces nuestras).- Mit einer Niederlage für die internationalen Minenkonzerne endete die Abstimmung in fünf Regierungsbezirken im hohen Norden Guatemalas. Am Donnerstag (17.8.) präsentierten die Bürgermeister dieser Bezirke das Resultat in der Hauptstadt Guatemala. „Wir fordern die nationale Regierung auf, den Bürgerwillen zu akzeptieren und bereits erteilte Bergbaulizenzen auf unserem Grund und Boden zurückzuziehen“, sagt Carlos Guarquez, Vorsitzender des AGAAI, dem Städte- und Gemeindetag von Guatemala. Die Abstimmung vom 25. und 27. Juli sei verfassungskonform und gültig. Fast 30.000 Wahlberechtigte hatten sich beteiligt und 99,83 Prozent stimmten gegen die Vergabe von Förderlizenzen an Bergbaufirmen.

Konzerne wie die kanadische GlamisGold drängen nach Mittelamerika, weil die weltweite Nachfrage nach Silber und Gold groß ist wie selten zuvor. Aber hier stoßen sie auf Widerstand. „Bergbau impliziert keine Entwicklungschance für diese Länder. Man sieht das in Peru, dort sind die Regionen, in denen es Minen gibt, die ärmsten des Landes“, sagt Alois Möller, Vertreter des Lutherischen Weltbundes in Mittelamerika. Der Volkswirt vergleicht den Bergbau mit Naturkatastrophen wie Hurrikanen oder Erdbeben. Nur zwölf Prozent der weltweiten Goldproduktion werden industriell genutzt, also unter anderem für Medikamente oder Computerchips; fast 80 Prozent werden für Schmuckherstellung benutzt, den Rest verbrauchen Investoren wie Banken oder Spekulanten. Die Folgen für Mensch und Natur indes sind schwer. Im Zyanidlaugeverfahren werden im Tagebau Zyankali, Quecksilber und Blei eingesetzt; die Kritiker befürchten, dass diese giftigen Chemikalien ins Trinkwasser gelangen.

Der logistische Aufwand für die Abstimmung war enorm, alle wahlberechtigten Frauen und Männer in den Verwaltungsbezirken Colotenango, Todos Santos, Concepción Huista, San Juan Atitan und Santiago Chimaltenango waren am 25. und 27. Juli aufgefordert, darüber abzustimmen, ob sie mit der Lizenzvergabe an Minenkonzerne für diese Orte einverstanden sind. „Die Abstimmung steht in Einklang mit der Kommunalverfassung. Wir berufen uns aber auch explizit auf die ILO-Konvention 169 für die Rechte indigener Völker“, erklärt Carlos Guarquez, der Vorsitzender von AGAAI, dem Städte- und Gemeindetag von Guatemala. In Guatemala sind fast 84 Prozent aller Bewohner Indigenas.

Vor gut einem Jahr fand ein erstes Referendum dieser Art im benachbarten Bezirk Sipacapa statt. Eindeutig sprach sich die Mehrheit gegen die Präsenz der Mine aus, aber seither halten Minengesellschaft und Regierung das Verfahren in der Schwebe. „Der Unterschied zu Sipacapa ist, dass dieses Mal die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden die Initiative für das Referendum ergriffen haben und voll und ganz dahinter stehen“, sagt er.

Und das Ergebnis ist überwältigend: In jedem der 92 Gemeindezentren -- von der größten Ortschaft bis zum abgelegensten Flecken weit in der atemberaubenden Naturschönheit der Berge -- stehen Männer und Frauen in ihrer bunten traditionellen Tracht Stunde um Stunde Schlange, um sich für die Abstimmung registrieren zu lassen. Auf Spanisch und in der lokalen Sprache Mam erklären die Organisatoren das genaue Vorgehen. Die Männer haben von der harten Feldarbeit zerfurchte Hände, die Frauen tragen zur Arbeit stets eines ihrer Kinder auf den Rücken gebunden. Arme Menschen, stolze Menschen. Und alle wissen sie ganz genau, was sie wollen: „Wir sind die Nachfahren der Maya, und wie sie können wir die Stimme der Hügel hören. Mutter Erde gibt uns unser tägliches Brot, wir sind eng mit ihr verbunden. Die Leute von der Minengesellschaft kommen wie Eroberer in unser Land, schon wieder“, sagt ein alter Mann.

Ein großer Erfolg ist das auch für die Umweltaktivisten an anderen Orten in Guatemala und in ganz Mittelamerika. Zum Beispiel CONIC, die nationale Koordinierungsorganisation der Indígenas und Campesinos, spielt eine zentrale Rolle in der Protestbewegung. Hierzulande ist die Bewegung gegen die Minen besonders stark; und die Regierung reagiert darauf mit Repression. Im Jahr 2005 wurde ein Demonstrant getötet und zahlreiche wurden verletzt, als es in San Marcos bei einer Straßenblockade zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen war. Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer, als Demonstranten die Straße blockiert hatten.

„Umweltschützer werden kriminalisiert und beschimpft als Fortschrittsgegner oder sogar Drogenhändler“. Oscar Conde spricht mit ruhiger Stimme. Der Lehrer und Musiker ist Sprecher der Nichtregierungsorganisation Madre Selva in Guatemala Stadt. Ein sanftes Lächeln umspielt seine Lippen, umgeben von einem ordentlich getrimmten, leicht krausen weißen Bart. Oscar Conde ist nicht nur bekannter Umweltschützer, seit den Achtziger Jahren ist er als Flötenspieler der Gruppe Alux Nahual ein Star in ganz Mittelamerika.

Auch wenn der Staat die Gesetze für die Betreiber von Goldminen gerade etwas verschärft hat, lehnt Conde Edelmetallminen generell ab: „Die Umweltgesetze in unserem Land sind schwach. Aber noch schwächer sind die Institutionen, welche die Einhaltung der Gesetze kontrollieren. Wie fast überall in Lateinamerika leidet das politische System in Guatemala unter schwerer Korruption. Diese beginnt bei den Umständen, unter denen Konzessionen erteilt werden. Jeder Konzern ist verpflichtet, eine unabhängige Studie vorzulegen, welche die Auswirkung seiner Tätigkeit auf die Umwelt darlegt. Konzessionen werden trotzdem vergeben, obwohl mir keine einzige ehrliche Umweltstudie bekannt ist.“

Zu den entschiedenen Unterstützern der Minengegner gehört auch der katholische Bischof von San Marcos, Alvaro Ramazzini, der seinen internationalen Einfluss nutzt, um gegen diese Ausbeutung von Mensch und Natur seine Stimme zu erheben. Damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht: Nach zahlreichen Morddrohungen stellte ihn die Regierung unter Militärschutz. Wo immer der Würdenträger hingeht, wird er von sechs grimmigen Uniformierten mit Maschinenpistolen begleitet. Gemeinsam mit Madre Selva hat die Kirchengemeinde in Sipakapa einen alternativen Entwicklungsplan für die Region San Marcos ausgearbeitet, der unter anderem auf biologischen Landbau setzt. Ein ausgeklügelter Plan, der zeigt, dass es Alternativen gibt.

Im September sollen diese Alternativen mit Vertretern aus ganz Mittelamerika bei der Gründung eines Netzwerkes von Anti-Minen-Aktivisten aus Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica diskutiert werden.

Weitere Informationen: http://www.lutheranworld.org und http://www.madreselva.com.gt/

« Indígenas blockieren die Interamericana Lehrer erstreiten Gehaltserhöhung »

-->

Möchtest du eigene Beiträge schreiben? Weitere Informationen dazu findest du hier...

Südamerika Newsletter
Kundenmeinungen