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Kandidatur wofür? Meinungen über Rigoberta Menchú gehen auseinander

Guatemala | 23.06.2007

(Mexiko-Stadt, 24. Juni 2007, npl).- Die nächste guatemaltekische Präsidentin wird sie wohl nicht. Zu abgeschlagen liegt die indigene Friedensnobelpreisträgerin von 1992 zweieinhalb Monate vor den Wahlen in dem mittelamerikanischen Land hinter den beiden führenden Kandidaten. Dennoch sorgt Rigoberta Menchú für Gesprächsstoff. Das Bündnis der von ihr erst vor wenigen Monaten gegründeten indigenen Organisation Winaq mit der Partei EG (Encuentro por Guatemala) gehört zu den wenigen politischen Formationen unter den über 20 antretenden Parteien, die am 9. September überhaupt mit einem nenneswerten Stimmenanteil rechnen können. Menchú selbst kommt nach jüngsten Umfragen auf etwa zehn Prozent Wählerzustimmen. Das ist im Vergleich zum März eine Verdoppelung und der dritte Platz unter 17 Präsidentschaftskandidaturen.

Gegner und Sympathisanten fragen sich allerdings, wofür die Menschenrechtsaktivistin heute politisch steht. Das Gesicht von Winaq prägt vor allem die in die Mittelklasse aufgestiegene Maya-Intellektuelle. Eine massive Unterstützung der überwiegend armen Indigenas, die etwa 60 Prozent der zwölf Millionen Einwohner Guatemalas ausmachen, ist bisher ausgeblieben. Mehrfach kritisierten in der Vergangenheit lokale Autoritäten, Menchú versuche ohne vorherige Konsultierung einen Alleinvertretungsanspruch der indigenen Bevölkerung durchzusetzen. Ähnlich äußerten sich einheimische Organisationen auf dem III. Kontinentalen Indígena-Gipfel, der im März ohne die Präsenz von Menchú in Guatemala stattfand. Unter der Hand wurde der Präsidentschaftskandidatin vorgeworfen, sie habe auf dem Gipfel dem letztlich abgesagten Besuch des bolivianischen Präsidenten Evo Morales ausweichen wollen.

Morales hatte ihr im Februar "alle seine Erfahrung" angeboten. Aber Rigoberta Menchú geht mit ihren gemäßigten Positionen lieber auf Distanz. In einem Interview mit der mexikanischen Tageszeitung “La Jornada” lehnte sie einen Vergleich mit Morales oder Hugo Chávez “und anderen lateinamerikanischen Führungspersönlichkeiten" ab. Dagegen suchte sie in Mexiko Unterstützung bei dem früheren Präsidentschaftskandidaten der Partei der Demokratischen Revolution (PRD) Cuauhtémoc Cárdenas und Beatriz Paredes, der Vorsitzenden der Institutionellen Revolutionären Partei (PRI).

In Guatemala selbst ist der Diskurs von Menchú ganz darauf gerichtet, niemanden zu verschrecken. "Wir sind nicht gegen den Reichtum, aber die Armen müssen von der Wirtschaft profitieren,” so Menchú, selbst als Konzessionärin einer mexikanischen Kette für Billigmedikamente unternehmerisch aktiv. Kritik am Freihandelsvertrag mit den USA, gegen den es zahlreiche Proteste in ihrem Land gab, ist von ihr kaum zu hören. Als indigene Aktivistin war Menchú maßgeblich beteiligt, wenigstens einige guatemaltekische Militär vor Gericht zu bringen. Diese mussten sich für Verbrechen im Rahmen einer brutalen Aufstandsbekämpfung vor allem in den Achtziger Jahren verantworten. Nun sagt sie: "Wir werden es mit denen, die sich in der Vergangenheit gegenüber standen, weder auf Konfrontation noch Polemik anlegen".

Rigoberta Menchú will sich für die Zukunft möglichst viele Bündnisse offen halten, so scheint es. Politische Beobachter gehen davon aus, dass ihr eigentliches Ziel die Präsidentschaftswahlen von 2012 sind. Sollte die politische Konsolidierung ihrer Bewegung und Partei in den folgenden Jahre gelingen, könnte dann ihre Stunde gekommen sein.

Von Gerold Schmidt

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