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„Der Tango kommt aus meinem Herzen“

Argentinien | 12.08.2006

(Berlin, August, poonal).- Freitagabend in Buenos Aires. Zwei Frauen klingeln beim Frauenzentrum „La Casa del Encuentro“. Über die Sprechanlage wird zunächst einmal gefragt, ob es sich um Frauen handele. Die alte Holztür des einstöckigen Hauses wird aufgemacht. Direkt am Eingang führt eine steile Treppe in den ersten Stock. Tangomusik erfüllt das Treppenhaus. Oben angelangt werden die beiden Frauen persönlich willkommen geheißen. Wenige Pärchen tanzen Tango in dem kleinen Saal. Eine Milonga, so werden die Tangotanzcafés in Argentinien genannt, steht heute auf dem Programm. Groß ist das Zentrum nicht. Mit seinem Holzfußboden und den hohen Decken erinnert der Raum eher an eine große Altbauwohnung. In einem etwas abgetrennten Raum des Saales sitzen an Tischen Frauen, unterhalten sich und trinken Quilmesbier, das es nur in ein Literflaschen gibt.

Alle zwei Wochen bietet „La Casa del Encuentro“ die Milonga an. Das Zentrum im Herzen von Buenos Aires sieht sich als Treffpunkt für feministische Lesben, das aber, wie die Gründerinnnen Fabiana Tuñez, Ada Rico und Marta Montesano meinen, „offen ist für alle Frauen“. Es ist das einzige seiner Art in ganz Argentinien und es öffnete im Oktober 2003 zum ersten Mal seine Türen. Neben der Milonga bieten die Macherinnen des Zentrums einige Workshops wie „Feminismus in Lateinamerika“, Joga-, Englisch und Tangokurse an. Es werden aber auch Kulturveranstaltungen und Partys organisiert, über die sich das Zentrum hauptsächlich finanziert.

Eine Tangoexpertin muss man nicht sein, um zur Milonga gehen zu können. Es dauert nicht lange, bis auch unbekannte Gesichter zu einem Tanz aufgefordert werden. Und falls man die acht Grundschritte nicht kennt, was auch in Argentinien häufig passiert, kann die Tangolehrerin Mariana Falcón schnell aushelfen. „Der Tango ist Teil meiner Identität. Er bringt mich anderen Menschen näher, auch wenn ich sie nicht kenne,“ meint Mariana, die die Milonga und die Tangokurse im Zentrum ins Leben rief.

Der Tango entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus einer Musikmischung von Habanera (Rhythmische Musik von Schwarzen aus Kuba), Milonga (zum einen Tangotanzcafé, zum anderen ländliche Musik aus Uruguay und Argentinien, vermischt mit spanischen Melodien und schwarze Rhythmen) und dem Tango andaluz (rhythmischer, gitarrenbegleiteter Gesang aus Spanien). Seine ersten große Erfolge erlebte er mit den Einwanderungswellen Anfang des 20. Jahrhunderts. Es war die melancholische Melodie, mit der sich die Einwanderer identifizierten. Getanzt wurde er in Bordellen oder auf der Straße, und das vornehmlich von Männerpaaren, da zunächst nur wenige Frauen eingewandert waren. In der argentinischen Oberschicht konnte sich der Tango aber erst einige Jahre später durchsetzen, als er in Europa in Mode kam.

Es ist die Abwechslung zwischen Tanzen und Innehalten, was ihm seine Spannung verleiht. „Für mich ist der Tango sehr erotisch und sinnlich, er ist nicht wie jeder andere Tanz,“ meint die elegante und feminin wirkende Mariana. Er ist ein Spiel aus Zeit und Raum. In einem heterosexuellen Kontext bedeutet dies: Männer verfügen über den Raum und Frauen über die Zeit. Kritisch sieht Mariana vor allem, dass es kaum Möglichkeiten gibt, aus den Rollen herauszubrechen und „dass Frauen nur einen Schritt machen können, wenn sie ein Mann führt. Diese Rollenzuschreibung ist etwas was, mit dem ich mit den Milongas hier im Zentrum brechen möchte.“

Der Wunsch, eine Milonga nur für Frauen zu organisieren, kam von ihren Schülerinnen. „Am Anfang kamen sehr viele Frauen. Danach hat sich die Milonga als Veranstaltung etwas gefestigt und sie lief eine Weile ganz gut“. Doch so ganz einfach ist es auch in Buenos Aires nicht, Frauen zu finden, die sich für den Tango begeistern. Deswegen findet es Mariana wichtig, „dass wir uns ein wenig öffnen, damit der Tango zwischen Frauen weiter geht.“ Eine Lösung des Problems für Mariana sind die Kurse und Milongas des Tango Queers, die nach ihrer Erfahrung gut ankommen, auch bei Frauen. Im Saal des Frauenzentrums tanzt Mariana mit viel Spannung. Mit einer leichten und professionellen Bestimmtheit führt sie ihre gleich große Partnerin. In der Art, wie sie tanzt, spürt man, dass wie sie selbst sagt, „der Tango aus meinem Herzen kommt“.

Internetadresse: www.casadelencuentroweb.com.ar/

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