Papagayo Camale�n  
Pivian exchange Cartagena Spanisch Sprachreise, Spanischkurs und Spanischschule
    Spanischkurse     Portugiesischkurse     Quechuakurse     Praktika     Freiwilligenarbeit     Reiseservice     Community     Über Uns Montag, der 18. März 2019  
Lateinamerika Nachrichten
Südamerika Nachrichten
Mittelamerika Nachrichten
Karibik Nachrichten
Seite merken
Garantien für deine Reise

Widerstand gegen Tilapiazucht im Cocibolca

Nicaragua | 03.09.2006

(San Jose, 4. September 2006, voces nuestras).- Hier trägt der mächtige Nicaraguasee eine stählerne Maske: Zwei dutzend Stahlkäfige sind vor der Küste der Insel Ometepe bereits fest verankert. Sie sehen aus wie im Wasser versenkte Silos von 30 Meter Umfang. An den Rändern befindet sich eine kreisrunde Plattform mit Geländer und jede der überdimensionalen Tonnen ist per Laufsteg mit dem Festland verbunden. Der norwegisch-nicaraguanische Konzern Nicanor betreibt sie als Fischfarmen. Das ist nicht nur hässlich, für das Gewässer hat die Fischzucht ungeahnte Folgen. „Wir sprechen von Fischen, deren Gesamtgewicht sich auf drei Millionen Kilogramm pro Jahr addiert. Diese Masse benötigt so viel Sauerstoff, dass große Sauerstofftanks gekauft werden müssten. Aber die Industriellen haben sich entschlossen, die Fische in den See zu setzen, wo die Strömung sie mit Sauerstoff versorgt. Das ist nicht nur kostenlos, sondern auch praktisch, weil die Fäkalien in einem Schwung mit weg transportiert werden“, sagt Salvador Montenegro, Direktor des universitären Zentrums für die Erforschung von Wasserressourcen (CIRA) in der Hauptstadt Managua.

Für den Konzern ist es ein Schnäppchen. Er züchtet Tilapias, eine afrikanische Barschart, in den Schwimmkäfigen, und Mutter Natur erledigt für ihn das, was andere Firmen mit viel Mühe und Geld selbst konstruieren müssen. „Um drei Millionen Kilogramm Fisch zu erzeugen, werden sechs Millionen Kilogramm verbraucht, weil das Tier für jedes Gramm Körpergewicht zwei Gramm Nahrung zu sich nehmen muss. Und die Masse der Fäkalien ist dementsprechend“, sagt Montenegro. Ein gutes Geschäft also nur für die Industrie, ökologische und soziale Folgekosten zahlt die Allgemeinheit. Die Auswirkung dieses massiven Eingriffs in das Ökosystem des größten Süßwassersees in Mittelamerika ist nicht einmal im Ansatz erforscht. Negative Folgen für den Tourismus lassen indes nicht auf sich warten: Gestank, angeschwemmtes Öl und tote Fische machen den angrenzenden Hoteliers das Leben schwer.

Für Salvador Montenegro ist das trinkbare Süßwasser des Cocibolca, wie die Einheimischen den Nicaraguasee liebevoll nennen, ein Schatz, den es wohl zu hüten gilt. Bei der scheidenden Regierung Bolaños ist der Institutsleiter mit seinen Warnungen und seinem Entwurf für ein Wassergesetz indes auf taube Ohren gestoßen. Von den Wahlen im November verspricht er sich deshalb viel.

Gegründet wurde Nicanor vom Neffen des Ministerpräsidenten Bolaños. Dessen Familienbande haben gewiss nicht geschadet bei dem Bemühen um die Lizenz für die Tilapiazucht. Mit der Lizenz in der Tasche verkaufte er die Firma zur Gänze an ausländische Investoren und mit 15 Millionen US-Dollar Kapital, die der norwegische Staat als Kredit gewährte, begann 2002 die Tilapiazucht in dem See, dessen Oberfläche 8000 Quadratmeter misst. Seitdem wird der Kampf dagegen von lokalen Aktivisten getragen, Unterstützung kommt vom Lutherischen Weltbund und der Nichtregierungsorganisation Centro Humboldt aus Managua.

Einen ersten Erfolg konnte die Allianz von Umweltschützern und Hoteliers bereits erreichen. Gerichtlich gelang es die weitere Verbreitung der Schwimmkäfige vorerst zu stoppen. Nicanor hatte bereits neue Käfige in eine Bucht gebracht, in der sich auch einige Hotels befinden. Diese musste er Konzern nun wieder abbauen. „Geholfen hat uns ein gutes Medienecho in Nicaragua. Damit wir aber unsere eigene Stimme haben, überlegen wir jetzt, eine eigene Radiostation aufzubauen“, sagt Molina, zugleich Hotelier und Vorsitzender der Umweltstiftung Ometepe.

« Frauen verstärkt Opfer von Gewalt und korrupten Behörden Manöver Panamax 2006 begonnen »

-->

Möchtest du eigene Beiträge schreiben? Weitere Informationen dazu findest du hier...

Südamerika Newsletter
Kundenmeinungen